Extra Time im Pokalfußball: Wie Gesamt­tore und Qualifikationsmärkte abgerechnet werden

Elfmeterschießen Moment

K.-o.-Spiele im Fußball sind genau der Moment, in dem Wettregeln für Verwirrung sorgen können: Ein Spiel endet nach 90 Minuten 1:1, kippt dann in der Verlängerung oder wird im Elfmeterschießen entschieden. Entscheidend ist, welcher Zeitraum für den gewählten Markt zählt (nur 90 Minuten, 120 Minuten oder inklusive Elfmeterschießen) und wie „Qualifikation“ gewertet wird, wenn es nach der regulären Spielzeit noch keinen Sieger gibt.

Grundlagen der Verlängerung: Was sich nach 90 Minuten ändert

In den meisten Pokalwettbewerben folgt bei einem Unentschieden nach 90 Minuten (inklusive Nachspielzeit) eine Verlängerung mit zwei Halbzeiten à 15 Minuten. Die Tore aus dieser Phase werden zum regulären Spielstand addiert. Sportlich gesehen gewinnt die Mannschaft, die nach 120 Minuten führt; erst wenn es weiterhin unentschieden steht, entscheidet das Elfmeterschießen über das Weiterkommen.

Diese sportliche Logik spiegelt sich auch in der Abrechnung von Wettmärkten wider. Einige Märkte gelten ausdrücklich nur für die reguläre Spielzeit („90 Minuten“, „Reguläre Spielzeit“, „inkl. Nachspielzeit“). Andere Märkte – etwa „Qualifikation“ oder „inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen“ – beziehen sich auf den gesamten Entscheidungsprozess. Zwei scheinbar ähnliche Wetten können daher unterschiedlich bewertet werden.

Zudem unterscheiden sich Pokalformate. Manche Duelle werden über zwei Spiele ausgetragen, wobei das Ergebnis nach 90 Minuten im Rückspiel nicht automatisch dem Qualifikationsresultat entspricht. Die Auswärtstorregel wurde in vielen großen Wettbewerben abgeschafft, existiert jedoch nicht überall. Unterschiedliche Turnierregeln führen daher zu unterschiedlichen Abrechnungsgrundlagen.

Typische Missverständnisse bei Wetten

Ein häufiger Irrtum besteht darin, das Marktangebot „Match Result“ mit „Qualifikation“ gleichzusetzen. In vielen Fällen bezieht sich die klassische 1X2-Wette ausschließlich auf die 90 Minuten. Endet das Spiel nach regulärer Zeit 1:1 und entscheidet sich erst in der Verlängerung, wird die 1X2-Wette dennoch als Unentschieden gewertet.

Ein weiteres Missverständnis betrifft Über/Unter-Wetten. Steht es nach 90 Minuten 1:1, gehen manche davon aus, dass Tore in der Verlängerung noch zählen. Das ist nur korrekt, wenn der Markt ausdrücklich „inklusive Verlängerung“ definiert ist. Standardmäßig gelten viele Gesamt­tore-Märkte nur für die reguläre Spielzeit.

Auch das Elfmeterschießen sorgt oft für Unsicherheit. Treffer im Shoot-out zählen üblicherweise nicht als reguläre Tore für Märkte wie Gesamt­tore oder korrektes Ergebnis. Ein 4:3 im Elfmeterschießen wird meist als 1:1 für Torwetten gewertet, während die Qualifikation separat abgerechnet wird.

Gesamt­tore-Märkte: 90 Minuten vs. 120 Minuten

Bei Gesamt­tore-Wetten ist der Zeitrahmen entscheidend. Ein Markt „Total Goals (90 Minuten)“ berücksichtigt ausschließlich Treffer in der regulären Spielzeit inklusive Nachspielzeit. Fällt das entscheidende Tor erst in der Verlängerung, hat dies auf diesen Markt keinen Einfluss.

Ein Markt „inklusive Verlängerung“ hingegen zählt alle Tore bis zum Ende der 120 Minuten, schließt jedoch in der Regel das Elfmeterschießen aus. Dadurch kann dieselbe Torlinie – etwa Über/Unter 2,5 – je nach Marktdefinition unterschiedlich bewertet werden.

Einige Anbieter führen zusätzliche Spezialmärkte wie „Tore nur in der Verlängerung“ oder periodenspezifische Gesamt­tore. Diese sind meist klar gekennzeichnet. Ist ein Markt allgemein formuliert, sollte davon ausgegangen werden, dass er sich auf 90 Minuten bezieht, sofern nichts anderes angegeben ist.

Beispiele zur Abrechnung von Gesamt­tore-Wetten

Beispiel 1: Nach 90 Minuten steht es 0:0, das Spiel endet 1:0 nach Verlängerung. Eine Über/Unter-0,5-Wette auf 90 Minuten wird als Unter gewertet. Eine 120-Minuten-Version derselben Wette gewinnt als Über.

Beispiel 2: Das Spiel steht nach 90 Minuten 2:0 und endet auch nach Verlängerung 2:0, anschließend folgt ein Elfmeterschießen. Sowohl 90- als auch 120-Minuten-Totals bleiben bei zwei Toren. Das Elfmeterschießen beeinflusst lediglich den Qualifikationsmarkt.

Beispiel 3: Nach 90 Minuten steht es 1:1, nach Verlängerung 2:2. Für Märkte inklusive Verlängerung zählt die Gesamtzahl vier Tore. Für reine 90-Minuten-Märkte bleiben es zwei Tore. Elfmeterschüsse erhöhen die Toranzahl nicht.

Elfmeterschießen Moment

Qualifikationsmärkte: „To qualify“ vs. Match Result

Der Markt „Qualifikation“ (oft „To qualify“ oder „Weiterkommen“) bezieht sich ausschließlich darauf, welche Mannschaft die nächste Runde erreicht – unabhängig davon, ob dies in der regulären Spielzeit, in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen geschieht.

Dies unterscheidet sich klar vom klassischen 1X2-Markt. Ein Spiel kann nach 90 Minuten unentschieden enden, doch eine Mannschaft gewinnt später in der Verlängerung und qualifiziert sich. In diesem Fall ist 1X2 ein Unentschieden, während „Qualifikation“ korrekt auf die weiterkommende Mannschaft gewertet wird.

Bei Hin- und Rückspielen entscheidet meist das Gesamtergebnis beider Partien. Eine Mannschaft kann das Rückspiel gewinnen, aber aufgrund des Gesamtscores dennoch ausscheiden – oder umgekehrt. Deshalb existieren eigenständige Qualifikationsmärkte.

Wie Verlängerung und Elfmeterschießen bei Qualifikationswetten zählen

Bei Qualifikationswetten sind Verlängerung und Elfmeterschießen integraler Bestandteil der Entscheidung. Wer weiterkommt, gewinnt den Markt – unabhängig vom Zeitpunkt der Entscheidung.

Verwechslungsgefahr besteht bei Bezeichnungen wie „Match Winner“. Manche Anbieter meinen damit einen Zwei-Wege-Markt inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen, andere nutzen eine separate Bezeichnung. Die genaue Marktdefinition sollte daher stets geprüft werden.

Spezialwetten wie „Elfmeterschießen – Ja/Nein“ oder „Team gewinnt im Elfmeterschießen“ sind eigenständige Märkte. Eine Mannschaft kann sich in der Verlängerung qualifizieren, ohne dass ein Elfmeterschießen stattfindet – entsprechend verliert eine entsprechende Spezialwette.